Friedrich Lips

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 Montag, 20.November 2017 08:40 

3. INTERNATIONALES WIENER AKKORDEONFESTIVAL 2002

Da sich das Konzept des Organisators Friedl Preisl, in Österreich lebende Künstler in Wechselwirkung mit internationalen Künstlern zu präsentieren, in der Vergangenheit bestens bewährt hat, konnte heuer das Spielstättenangebot mit 18 Konzerten an 18 verschiedenen Spielstätten sogar erweitert werden. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Festivals besteht darin, dass der Kontakt Künstler-Publikum immer "spürbar" ist. Das INTERNATIONALE AKKORDEONFESTIVAL WIEN ist sicherlich eine Bereicherung für die Musikstadt Wien und hat auch international bereits großen Anklang gefunden.      

   Im Rahmen des diesjährigen Festivals wurde zum ersten Mal ein Akkordeon-Workshop angeboten, der zwar nicht für Anfänger gedacht war, sehr wohl aber für Akkordeonisten aller Altersgruppen, Akkordeon-Liebhaber, Akkordeon-Enthusiasten, Akkordeon-Freaks, Akkordeon-Spinner, Akkordeon-Kenner ... und alle, die einen Workshop der etwas anderen Art erleben wollten.  Klaus PAIER (Österreich), Otto LECHNER & Gernot STRASSL (Österreich), Martin LUBENOV (Bulgarien), Friedrich LIPS (Russland), Renato BORGHETTI (Brasilien), Arnaud METHIVIER (Frankreich) & Regis GIZAVO (Madagaskar), Jacek GREKOW (SARAKINA - Polen) sowie Janusz WOJTAROWICZ (MOTION TRIO - Polen) 2002 vermittelten ihren persönlichen Stil und Zugang, ihre Musikrichtung und Erfahrung mit dem Instrument Akkordeon.

Dass Otto LECHNER (Österreich) quasi als local hero das Festival eröffnete, versteht sich mittlerweile von selbst. Dabei hatte er sich wieder eine illustre Schar von Gästen eingeladen, z. B. die italienische Sängerin Luisa COTTIFOGLI ("Sie ist eine moderne, urbane Musikerin, deren kreatives Herz an der Meeresküste sitzt - immer Ausschau haltend auf eine Welt voller Ideen, immer in Vorbereitung einer neuen Reise nach Osten, Westen oder Süden.", Cliff Furnald)  und ihre Band, - weiters duellierte er sich mit Sainkho NAMCHYLAK und Isabel ETTENAUER. Fast schon Tradition, dass der Eröffnungsabend mit einer Session ausklang...                                 

Eigentlich nennen sich die vier KanadierInnen Anne Lauzon  (G-Klarinette, Schrammel-Harmonika), Jean Deschênes  (Kontragitarre), Brigitte Lefebvre  (1. Geige) und Solange Bellemare  (2. Geige) aus Montréal  das "Ensemble Johann Schrammel", doch zusammen mit der kanadabegeisterten Wiener Multiakkordeonistin Barbara Faast-Kallinger bildeten sie das teichübergreifende Quintett TRANSATLANTIK SCHRAMMELN. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass Länder kein Copyright auf ihre Kulturen haben: kein Kuriosum etwa wie japanische Jodler oder steirische Country-Stars, sondern eine seriöse Gruppe, deren Mitglieder die Schrammelmusik mindestens so raunzerisch-swingend, aber werkgetreu von der Hand geht wie heimischen Ensembles. Im Jahr 1996 begannen Vincenz Wizlsberger (Bass, Kamm, Helikon, Gesang), Heinz Ditsch (Fagott, Akkordeon, Singende Säge, Gesang) und Paul Skrepek jun. (Schlagwerk, Kontragitarre, Gesang) als KOLLEGIUM KALKSBURG  (Österreich) das Wienerlied in eigene Hände zu nehmen. Seither geben sie alte und neue Songs in eigenwilliger Wiener-Lied-Manier zum besten und stellen somit ein Unikat in der hiesigen Szene dar.

Als Vertreter der russischen Bajankultur („Bajan“ heißt das russische Knopf-akkordeon) war diesmal Friedrich LIPS in den Schubertsaal des Wiener Konzerthauses geladen, wo er zusammen mit dem Cellisten Vladimir TONCHA zeitgenössische russische Kammermusik von S. Gubaidulina und M. Bronner spielte. Einen seiner beachtlichsten Erfolge hatte Lips zweifellos mit der Komposition "Sieben Worte" (für Bajan, Violoncello und Streicher) der Komponistin Sofia Gubaidulina. Die CD-Einspielung erhielt in Paris den "Diaposon d';or" und wurde 1991 zur "CD des Jahres" gekürt. Doppelkonzerte sind die große Attraktion des Wiener Akkordeonfestivals. So gab es an diesem Abend nach der Pause das Quartett AAMARCORD, das neben den Werken des Tango-Nuevo-Komponisten Astor Piazzolla durch Bearbeitungen von Strawinski- und Mussorgski-Werken sowie von venezuelanischen Volksliedern, bosnischen Sevdalinke (Liebeslieder) und portugiesischem Fado , ein unverwechselbares musikalisches Profil entwickelte.


            DUO ANAKI, gebildet von dem Basken Iñaki Alberdi (Akkordeon)  und dem 33-jährigen Pianisten Ananda Sukarlan (Indonesien) wählte das Wiener Festival als Ort für seinen ersten großen internationalen Auftritt und präsentierte sein umfassendes Repertoire zeitgenössischer (darunter vieler spanischer) KomponistInnen. Das progressive Folk- und Tanzensemble SOL DE NIT (Nachtsonne) um die Akkordeonistin Cati Plana widmete sich in erster Linie den musikalischen Besonderheiten seiner katalonischen Heimat, blieb jedoch nicht in selbstgenügsamen Regionalismus stecken, sondern öffnete sich verschiedensten Einflüssen, hauptsächlich keltischer, mediterraner und balkanischer Musik.
Wilder Gesang, viel Percussion, irische, bulgarische und katalonische Dudelsäcke, jazzige Posaunen und natürlich der Sound von Cati Planas Diatonischem Knopfakkordeon standen zueinander in schrägem Kontrast.

 

Der 1950 in Südfrankreich geborene Richard GALLIANO trat nach langer musikalischer Orientierungsphase etwa Anfang der 70er Jahre an, den beschwingten, aber als altmodisch verschrieenen Pariser Musette-Walzer der sentimentalisierten Folklore zu entreißen und für den Jazz urbar zu machen. Zuvor hatte Galliano die Möglichkeiten des Akkordeons für das Jazzspiel ausgelotet, ehe ihm seine Bekanntschaft mit Astor Piazzolla neue musikalische Horizonte erschloss. Wohl wissend, dass das Feld des modernen Tangos schon besetzt war, tat er das einzig Richtige und schneiderte auf Anraten Piazzollas der Ur-Pariser Form der Musette neue Kleider. Diese erhält sich bei Galliano in ihrer fröhlichen Melancholie und sanften Erotik, amalgamisierte aber durch Zitate des Cool Jazz, Bebop, John Coltranescher Modalität, improvisativen Passagen, die an Keith Jarret erinnern, Gypsy Swing, Bossa und - nicht zu vergessen - Tango in seinen Händen zu einem unverwechsel-baren Genre, das jenseits der Konservatoriumsakkordeonistenszene viele Nachahmer fand.
Im Arcotel Wimberger trat Galliano mit dem Sopransaxophon- und Bassklarinettenaltmeister Michel PORTAL auf, einem der Pioniere des französischen Modern Jazz, der bereits in jungen Jahren für seine Innovationsfreude und Versatilität bekannt war und problemlos zwischen Mozart, Stockhausen, argentinischen Bandoneon-Fantasien und Free Jazz wechselte.

 

Mit beschwingtem Klesmer, wunderschön melancholischen jiddischen Liedern und chassidischen Anekdoten mit ihrem charakteristischen feinen Humor deckete das ENSEMBLE KLESMER das breite Repertoire ostjüdischer Volkstradition ab.  Spontaneität und Spiel-freude zeichnete KOHELET 3 aus. Sie spielten sich quer durch alle ost- und südosteuropäischen Musikstile, wobei sich ihre slawischen Wurzeln natürlich bezahlt machten; jedoch auch Jiddisches (das einen beträchtlichen Teil ihres Repertoires ausmachte) meisterte dieses Trio, dessen ansteckende Spielfreude es zu Lieblingen seines Publikums machte.                      

DEISHOVIDA (Österreich) waren für das "Journal Frankfurt" "eine Band für Soundpiraten, imaginäre Folkloristen und alle, die ihre Gehörgänge mal wieder mit neuen Klängen auffrischen möchten: mit Rasanz, Spielwitz und neuen Klangmöglichkeiten von ungeahntem Tiefgang“.  Dem 31-jährigen Exzentriker Sandy BRECHIN gelang es, bei der Interpretation seiner Kompositionen, die sich melodisch von traditionellen Jigs und Reels herleiten, Funk, Punk und die Smoothness des Bossa Nova auf schottischem Melodiegrund zu versöhnen, dabei umwerfend schnell zu sein und trotzdem stets die lyrischen Momente dieser Musik zu unterstreichen. Dabei kreiert Brechin eine völlig neue Version schottischer World-Music, die wuchtig, lasziv und swingy zugleich wart, ohne dabei ihre hochländische Markigkeit einzubüßen.

Präsentierte sich Klaus PAIER beim Akkordeonfestival 2001 in der Wiener Sargfabrik mit seinem Trio, so wurde dieses nun durch ein String Quartet zu einem kleinen Orchester. Schon in der Besetzung Akkordeon/Kontrabass/Drums wich sein Trio merklich von den gewohnten Tango-Nuevo-Ensembles ab. Ergänzt durch das String Quartet wird den mitunter verspielten Jazzphrasen ein dramatisches Gegengewicht verliehen. Ein schillerndes Klanggemälde voller rhythmischer und melodischer Finessen und unerwarteten Wendungen, das kein einziges Mal in Gefälligkeit abdriftet, spannend und sophisticated von der ersten bis zur letzten Sekunde!  Mit brasilianischer Musik assoziiert der Hörer, die Hörerin Bossa, Samba, Musik jedenfalls von jazzig-lyrischer Laszivität oder afrikanischer Perkussivität. Für Renato BORGHETTI indes kommt von einem anderen ethnomusikalischen Planeten: dem südbrasilianischem Rio Grande de Sul, der Heimat der Gauchos, der südamerikanischen Cowboys, die musikalisch mehr mit dem benachbarten Argentinien teilt und unverwechsel-bare Formen wie den Chamamé, den Chacarera oder den Milonga hervorgebracht hat. Renato Borghetti ist eines jener weltmusikalischen Unikate, die lokale Traditionen mit der Muttermilch aufgesogen, individuell weiterentwickelt und mit weiteren Formen (wie Tango, Samba und Jazz) durchsetzt haben.


            Guy KLUCEVSEK war seit den frühen 80er Jahren Inspiration für so ziemlich alle AkkordeonistInnen, welche mit ihrem Instrument Neuland suchten. Der Sohn slowenischer Einwanderer aus Pittsburgh, Pennsylvania, leitete die Akkordeonavantgarde ein, trotzte den voneinander strikt abgegrenzten Feldern E-Musik, Minimal Music, Jazz und Volksmusik etwas von ihrem Terrain ab, um das dadurch neu entstandene Feld urbar zu machen für schräge Akkordeonexperimente aller Art. Außerhalb des Folk war Guy Klucevsek einer der ersten, welche die rhythmisch komplexe Musik des südlichen Balkans und jiddischen Klezmer rezipierten. Bei seinen Kompositionen, Bearbeitungen von Hits und traditionellen Themen erwies er sich als Magier des Unerwarteten, ein stets ironischer Verfremder, der auch vorm deftigen Zweiertakt der Polka nicht zurückscheute und mit seinem Akkordeon in Bereiche vordrang, wo zuvor noch nie jemand gewesen war. Guy Klucevsek als musikalisch uneinordbar einzuordnen spottet seiner Versatilität

Um nicht im Plagiat des Tango Nuevo Astor Piazzollas. zu erstarren, suchte das Grazer QUINTETTO ACCENTO nach neuen Ufern, erweiterte sein Repertoire und begann selbst zu komponieren. Mit Norina Angelini aus Rimini steht dem Ensemble eine in Jazz, Tango und zeitgenössischer Moderne bewanderte Chanteuse vor, die mit romanischer Grandezza und Intensität den Spirit des Tango Nuevo zu verkörpern weiß. Auch PRIMAVERA DEL TANGO aus Deutschland bewies, dass es auf die argentinische Variante von lodernder Leidenschaft und melancholischem Seufzen kein nationales Copyright gibt. Und obgleich sich Primavera del Tango mit Haut und Haaren dem Tango Nuevo verschrieben haben, brechen gleich dem Quintetto accento auch sie mit einer der signifikantesten Traditionen der Tangobegleitung - dass ein Quintetto nur aus Männern bestehen darf. Die männliche Domäne wurde lediglich dem Akkordeon und Bandoneon überlassen. Ansonsten fügt sich dieses deutsche Ensemble erstaunlich gut und werkgetreu in die Subtilitäten des Tango Nuevo. Als besonderer Glücksfall hat sich die Zusammenarbeit mit der Sängerin Franziska Dannheim erwiesen, die seit 1998 dem Ensemble angehört und durch ihre betörende Tangostimme das Publikum regelrecht in die Großstadteinsamkeit und die dunklen Gassen von Buenos Aires entführt.               

Zu einer alpinoiden Super-Fusion der Hausband 3 FALKNER und der Clubbing-Institution Attwenger kam es durch das Verbindungsglied Hans-Peter Falkner. Seine Co-Musiker waren die Menschen, denen er auch die ersten und wichtigsten musikalischen Inspirationen verdankt: die Eltern Erich und Pauline. Mit den 3 Falknern mäandriert österreichische Volksmusik gekonnt derb, cool und warmherzig an Musikantenstadl und Volkskunde-symposion vorbei. Arnaud METHIVIER war dem Wiener Publikum durch seinen Auftritt 2001 mit der Sopranistin Catherine Estourelle bekannt. Wie sehr er sich musikalisch nach allen Richtungen hin öffnen kann, demonstrierte er bei seinem Auftritt mit Madagaskars innovativstem Akkordeonisten: Regis GIZAVO. Musikalisch geerdet in der Multikulturalität der ostafrikanischen Insel (malaische, südafrikanische, portugiesische und französische Einflüsse) entwickelte Gizavo seinen eigenen Stil, der in der besonders intensiven Bearbeitung der Bässe nur eines seiner Charakteristika findet.

 

Nach einer soliden klassischen Ausbildung in der Ukraine und in Russland schlug Alexander SHEVCHENKO seine Zelte in Wien auf, wo er seither die hiesige World-Musik-Szene (z. B. als Mitglied von Aras & Gülay) bereichert. Während seiner Studienzeit in Nischnij Nowgorod (Russland) lernte er die Saiteninstrumentalistin Elena ABOLMAZOVA kennen, die nicht nur Mitglied eines der größten staatlichen Orchester Russlands ist, sondern auch Solistin eines bekannten italienischen Mandolinenorchesters. Bei ihrem gemeinsamen Auftritt spielte Elena die Domra, die dreisaitige Vorgängerin der Balalaika, was auf einige der reizvollen russischen Volksweisen im Spielplan dieses Abends hindeutet. Das Repertoire von ARS HARMONIKA Jakub Mietla, Piotr Chololowicz und Piotr Biazik reichte weit über das klassische Konservatoriumsprogramm hinaus, spannte sich also von J. S. Bach über Ethno-Folk (vor allem ungerade Takte des slawischen Südosteuropa) bis zu Piazzolla. Der besondere Reiz ihres Konzeptes rührte von ihren ungewöhnlichen Arrangements, aber auch vom Zusammenklang dreier verschiedener Akkordontypen her.

 

Das ZIG ZAG TRIO (Bulgarien) spielte hochintelligenten kosmopolitischen Jazz mit "thrazisch-byzantinischer Grundierung": leichtfüßig und wuchtig, smooth, unberechenbar-labyrinthhaft und leidenschaftlich. Mit viel Brillanz und verspielter Eleganz geleitete das Trio  Horos und Kopanitsas den Weg in die musikalische Zukunft des 21. Jahrhunderts! Rachelle GARNIEZ' Musik wurde von einem Journalisten einmal als "sentimentaler Jazz mit Anflügen von Cabaret" bezeichnet, eine Charakterisierung, die freilich viel zu kurz greift. Denn das Sentimentale wird bei ihr stets ironisch überformt, zur Untermalung ihrer Erzählungen und Seelentrips bedient sie sich des Swing, des Tangos, Walzers, Tex-Mex und Latin Jazz.  

 

Jovica PETKOVIC war eine der großen Entdeckungen des Akkordeonfestivals 2001, und es verstand sich von selbst, dass dieser stilistisch richtungsweisende Akkordeonvirtuose aus jenem multikulturellen Staat, der einmal Jugoslawien hieß, den Südosteuropaabend eröffnete. In Wien hatte sich Akkordeonist Jacek Grekow gemeinsam mit seinem Kollegen Piotr Chololowicz beim Bandprojekt "Kyrillikata" der Musik Mazedoniens und Bulgariens angenommen. Näherten sie sich dieser dabei noch relativ "konzertant", so zollt Grekow mit seinem polnischen Ensemble SARAKINA der ekstatischen Qualität und rhythmischen Ungestümheit südbalkanischer Musik angemessen Tribut, der Weronika Grozdew mit expressiver Stimme eine sehr originalgetreue Note gibt. BRATSCH aus Paris, das sind die Jongleure der World-Music. So vielen unterschiedlichen Stilen - von Paris bis Armenien - geben sie in ihrem Konzept Obdach, dass diese so klingen, als hätten sie immer zusammengehört, als wären sie immer "Bratsch-Musik" gewesen: Chanson, Gypsy-Swing à la Django Reinhardt, italienische Ballata, rumänische und jiddische Doinas, bulgarische Horos, griechischer Rembetiko, mediterrane Kunstmusik à la Nino Rota, armenische Liebeslieder - Faible für Jazzphrasierungen und Sensibilität für die länderübergreifenden Spielweisen der Roma bilden eine Art stilistische Klammer, die dieses mediterran-osteuropäisch-vorderorientalische Kontinuum so glaubwürdig macht.

 

DOBREK BISTRO sind ein fester des Akkordeonfestivals geworden. Aliosha Biz, Peter Strutzenberger, Daniel Klemmer und der Krakauer Krzysztof Dobrek, über den eine Musikjournalistin einmal schrieb, er sei der sinnlichste Akkordeonist Wiens, spielten zum zweiten Geburtstag der Band auf. Aliosha Biz gilt als Spezialist für die diversen Spielarten jüdischer Musik, Daniel Klemmer für Cajun & Zydeco, Peter Strutzenberger für Bluegrass und Rockabilly, allesamt haben sie klassische Ausbildung und Erfahrung in Jazz und World-Musik, und bei Dobrek Bistro verwirklichen sie mit furiosen Improvisationen und arrangementmäßigen Überraschungen die Idee eines "Salonorchesters", das sein Publikum zu einer Tour de Force kidnappt, - in eine musikalisch bessere Welt, in der Tango, Latin Jazz, Klezmer, Musette, Gypsy Swing, slawische Volksmusik und Musik der Roma, des Balkans und des Orients einander ohne Tabus hingeben.

 

Das MOTION TRIO (polnische Akkordeonavantgarde) widmete sich vor allem unkonventioneller zeitgenössischer Musik, welche durchsetzt war mit Elementen des Jazz, des Rock und des Folk. Das von Bandleader und Chefkomponist Janusz Wojtarowicz ins Leben gerufene Trio wurde von Polens Musikpresse unisono zum besten Debüt-Act des Jahres 2000 gekürt. Die Musikjournalisten loben vor allem die herausragende Individualität der einzelnen Interpreten und die enorme Spontaneität und Energie ihres Zusammenspiels. Stile zu mixen, ist keiner Szene mehr etwas Besonderes. Doch es ist die Art des Mischungs-verhältnisses, mit der das Motion Trio zu begeistern vermag und die es ihr Auditorien sowohl in klassischen Konzerthallen als auch in verrauchten Jazzkellern und bei World-Music-Festivals sichert. Maria KALANIEMI (Chromatisches Knopfakkordeon, Freibassakkordeon)
& Band (Timo Alakotila, Piano und Olli Varis,Gitarre, E-Gitarre) entwickelte im Laufe der Jahre ihren distinkten Kalaniemi-Stil, der zwischen Eleganz und Ekstatik oszilliert, südländische Passión in die Farben des Nordlichts tunkt, ganz gleich, welches Genre sie zitiert, in ihre Sprache übersetzt: finnisch-schwedische Polskas (die nichts mit Polkas zu tun haben!), irischer Rhythm & Reel, balkanische Sounds, klassisch anmutende Rhapsodien, Minimal Music oder aber Tango, wobei sie sich bei Letzterem nicht dem traditionellen finnischen Tango verpflichtet fühlt, sondern eher dem komplexen Tango Nuevo des Astor Piazzolla, - ohne je auch nur den Anschein des Plagiats zu erwecken. Ihr Sinn für lyrische Melodieschönheit, aber auch technische Innovativität und breites kulturelles Wissen machten Maria Kalaniemi zu einer Ikone der europäischen World-Music.

 

Einer der Geheimtipps der hiesigen Rockszene ist CLAUDIA K., die seit über 20 Jahren mit unkonventionellen Projekten dem Mainstream trotzt, sei es als Sängerin bei den Drahdiwaberl, dem VolksKunstOrchester oder bei den Bad Sisters. Dabei hat sich die dunkle Diva mit der intensiven und rauchigen Stimme vom Rock hin zu einem viel versprechendem Jazzpop mit ethnischen Einsprengseln entwickelt und präsentiert ihr Programm aus selbst verfassten deutschsprachigen Songs und Chansons mit einer hochkarätigen Band.
Auf Anregung von Friedl Preisl präsentierte Claudia K. erstmals ihr Programm in Begegnung mit dem Akkordeon, sie konnte dafür die umtriebige Musikerin Maria Düchler gewinnen. Bereits in den 70er Jahren war der gebürtige Jugoslawe und Wahlbadenser Edo Zanki einer der Pioniere des deutschen Soul ("Kraut-Soul"). Seine Songs wurden in den 80er Jahren von Tina Turner und Ry Cooder gecovert. Eine besondere künstlerische Affinitität verbindet ihn, der in der letzten Dekade hauptsächlich mit seiner Stammband "Söhne Mannheims" aufgetreten ist, mit dem neuen Aushängeschild des deutschen Soul, Xavier Naidoo. Ein ausgefallener Abend war bei seinem gemeinsamen Auftritt mit der wohl verrücktesten Band Stuttgarts, den KRONZEUGEN, gewiss.

 

Waren es letztes Jahr Nathan & The Zydeco Cha Chas, die im Rahmen des Akkordeonfestivals mit der Hitze des amerikanischen Südens den österreichischen Winter endgültig austrieben, so übernahm heuer ein ganz großer Star der World-Music diesen JobTex-Mex-Akkordeonist Leonardo "Flaco" JIMENEZ aus San Antonio, Texas, war in den 80erJahren (neben der Band Los Lobos und Ry Cooder) maßgeblich an der Popularisierung dermexikanischen Musik Texas' und somit einer multiethnischen Lesart US-amerikanischer Kultur beteiligt. Dabei verband er geschickt Stilformen des "weißen" Southern Rock und des Country mit der urmexikanischen Musik des Conjunto, dessen unumschränkter traditioneller Meister sein eigener Vater Don Santiago Jimenez war. Der Tejano-Abend im Metropol konnte auch mit Otto Lechner und Kurt Ostbahn als Überraschungsgästen aufwarten.

 

Alle Festivalbesucher hatten einen Wunsch gemeinsam, nämlich dass die Zeit bis Samstag, 22. Februar 2003, jenem Tag, an dem das 4. Internationale Akkordeonfestival Wien seine Pforten öffnen wird, möglichst rasch vergehen möge.

 

 

 

 

 

 

 

 

  Letztes Update der angezeigten Seite: 30.April 2009, 22:06 

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