Friedrich Lips

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 Montag, 20.November 2017 08:50 

4. INTERNATIONALES WIENER AKKORDEONFESTIVAL 2003

 

Das Programm des 4. INTERNATIONALEN AKKORDEONFESTIVALS WIEN 2003 wurde bei einer Pressekonferenz im Technischen Museum Wien am 22. Jänner der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei erstmalig auch Mag. Dr. Andreas Mailath-Pokorny (Kulturstadtrat der Stadt Wien) begrüßt werden konnte. Friedl Preisl, der künstlerischer Leiter und "Erfinder" des Akkordeonfestivals wies darauf hin, dass beim diesjährigen AKKORDEONFESTIVAL 110 Künstler aus 15 Ländern mitwirken und 24 Konzerte an 24 unterschiedlichen Spielstätten aufführen, wobei die 3 Sonntags-Trilogien (Klezmer-Trilogie, Otto-Lechner-Trilogie und 11. Bezirk-Trilogie) eine besonders spannende Begegnung mit dem Akkordeon versprechen sollten. Weitere Neuigkeiten seien der AKKORDEONFESTIVAL CLUB im Gartenbau-Foyer und die Präsentation der CD des 3. INTERNATIONALEN AKKORDEONFESTIVAL WIEN 2002. Der Akkordeon-Workshop wurde diesmal in einer Kooperation mit dem TECHNISCHEN MUSEUM WIEN angeboten, das vom 24. Jänner - 30. März 2003 auch eine Ausstellung zur Geschichte der Harmonika-instrumente („IN ALLER MUNDE“) zeigte.

Otto Lechner, Krzysztof Dobrek und Karl Hodina eröffneten gemeinsam das 4. Internationale Akkordeonfestival Wien 2003. Jeder hatte Gelegenheit, seine musikalischen Besonderheiten in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig viel Respekt vor dem anderen und viel Einfühlsamkeit in fremde musikalische Welten zu zeigen. Anschließend bezauberten Antongiulio Galeandro und Claudia Bombardella, welche neben acht anderen Instrumenten auch das Akkordeon spielt, speziell durch Poesie und Empathie ihrer musikalischen Darbietungen. Beide spielten in der Band Folkabbestia (die mit ihrer turboschnellen Coverversion von "Azzurro" einen Tanzhit landete). In ihrem gemeinsamen Programm paraphrasieren sie musikalische Traditionen fahrender Völker wie Roma, Juden oder Armenier. Traditionell klang die Eröffnungsgala mit einer Abschlusssession von Otto Lechner  und einigen seiner Freunde aus.


Mit Raoul Barboza war ein Meister und Innovator des sogenannten Chamamé nach Wien geladen. Im katalanischen Gitarristen Pedro Soler fand er einen sensiblen Begleiter vom anderen Ende des Latino-Universums. Durch Solers breiten musikalischen Horizont und Barbozas Wissen um Tradition und Ringen um Innovation entstand der Chamamé neu.

Will Holshouser gehört zu einer von Guy Klucevsek inspirierten US-Akkordeonisten-Szene, die ethnische Genres mit Bildung in Jazz und Avantgarde in neue Richtungen führen. Als Akkordeonist von Ex-Klezmatics-Klarinettist David Krakauer meisterte Holshouser jazzigen Neo-Klezmer, doch gehört sein Herz auch gleichermaßen den uramerikanischen Formen Cajun, Zydeco, Tex-Mex, Tango Nuevo und europäischem Gypsy-Swing und Musette-Walzer.


Egal, wie weit sich MusikerInnen aus der Enge ihrer Traditionen befreien, irgendwie bleiben sie doch immer vom Dialekt ihrer Herkunft beeinflusst, wenn auch nur in Nuancen. Im Falle von Michel Macias ist das die südwestfranzösische Gascogne. Am chromatischen Knopfakkordeon bedeutet er für Frankreich etwa, was sein Kollege Riccardo Tesi für die moderne italienische World-Music am diatonischen bedeutet. Macias Musik oszilliert zwischen brachialer Wildheit und lyrischer Subtilität, metrischer Genauigkeit und ausgelassener Jazz-Phrasierung. Elegant spielte er sich im Lauf seiner Wiener Darbietungen durch Musette-Walzer und Gypsy-Swing (Manouche), Latin-Rhythmen, Gascogner Volksmusik und baskische Trixitixa.

Die erste der drei Sonntags-Trilogien führte im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering Wiener und alpine Klänge am Stadtrand zusammen. Die STIEFELBEIN BLUHS BAND verband derben Wiener Schmäh und anarchisch-poetische Texte in der Tradition Artmanns und Qualtingers mit amerikanischen Musikformen wie Cajun, Country-Blues, Old-Time-Waltz, Tex-Mex und Rockabilly zu einem stimmigen Konzept. Das Duett „Steinberg und Havlicek“ verlieh traditionellen Liedern einen zeitgenössischen Touch, interpretierte moderne Wiener Lyrik mit der Melodik des Wienerliedes und ließ dessen ursprüngliche Expressivität - wohl dosiert und nicht zu aufdringlich - mit einer Prise Swing & Blues in neuem Glanz erstrahlen. Die deutsche Band „Edelschwarz“ dürfte mit ihrem Hardcore-Jodeling, ihren Brachiallandlern, den Funkriffs, Computersamplings und derb-witzigen Texten das Genre des alpinen Elektro-Punk-Metals erfunden haben.


Karl Hodina - Sänger, Maler, Poet und respektvoller Modernisierer des Wienerliedes - und Allegre Corrêa - Brasiliens wohl kostbarstes Geschenk an die Wiener Musikszene - lließen traditionelle Wiener und brasilianische Sounds ineinander fließen, als wären diese seit jeher für einander bestimmt gewesen: "Wir unterhalten uns wie Vögel, die auf einem Baum sitzen - frei." Karl Hodina war einer der ersten, die Modern Jazz fürs Akkordeon adaptierten, zugleich ein Pionier des verswingten Wienerlieds mit eingestandenem Faible für Bossa Nova. Corrêa ist ein Suchender, der sich nicht mit der traditionellen Musik Südbrasiliens und Latin Jazz begnügt, sondern als bekennender Liebhaber seiner Wahlheimat Wien auch die Klänge dieser Stadt wie Atemluft einsaugt.

Mit ihrer neuen Besetzung ist die Wiener Folk-Institution "Tschuschenkapelle" noch weiter nach Süden vorgedrungen, dorthin, wo der Balkan am balkanischsten klingt. Der neue Sound verdankt sich maßgeblich zwei jungen Musikern aus der Roma-Tradition: dem Klarinettisten Hidan Mamudov aus Mazedonien und dem Akkordeonisten Martin Lubenov aus Bulgarien. Der erst 25-jährige Lubenov zählt neben den Größten des bulgarischen Akkordeons auch Art van Damme und Richard Galliano zu seinen wichtigsten Einflüssen, studierte Musik in Sofia, in Wien und am Berkelee College of Music in Boston und pflegt auch enge Kontakte zur progressiven bulgarischen Ethnojazzszene.

Yves Weih hat als Akkordeonvirtuose akribisch die diversen Spielarten jüdischer Musiktradition rezipiert und mit seinem viel bewunderten Quartett „Zakarya“, dem jüngsten seiner vielen Klezmerprojekte, Terrain erschlossen, auf dem sich europäischer Klezmer nie zuvor befand. 

„Maria de Buenos Aires » ist eine Allegorie des Tangos. Horacio Ferrer schrieb 1968 das Libretto zu dieser ebenso sozialkritischen wie surrealistischen Tango-Operita, Astor Piazzolla die Musik. Zur Handlung: Maria wird an der Mündung des Rio de la Plata geboren, es verschlägt sie in die Slums von Buenos Aires. Verführt vom Bandoneon treibt sie ihr Kreuzweg durch Bordelle und Ganovenkneipen. Sie stirbt und irrt als Schatten durch die Stadt, bis sie als Heilige wiedergeboren wird. Ein Passionsspiel in jeglichem Sinn des Wortes, dessen sich die deutsche Spitzenformation Primavera del Tango da angenommen hat. Das 1996 gegründete Quinteto hat sich dem gesamten Oeuvre des großen Astor Piazzolla verschrieben. Mit der charismatischen Sängerin Franziska Dannheim ist es das wohl einzige deutsche Tango-Nuevo-Ensemble von Format, das sich auch des Tango-Liedes annimmt. Bereits beim letztjährigen Akkordeonfestival konnten Primavera del Tango das Publikum begeistern. Und es bereitete den VeranstalterInnen große Freude, dass sie die Wienpremiere ihres ehrgeizigen Opernprojektes dem Akkordeonfestival widmeten. Dazu wurde das Ensemble um ein weiteres Akkordeon aufgestockt und als zweiter Sänger der Argentinier Pedro de Castro verpflichtet. Als "Duende" (Erzähler) fungierte der Portugiese Pedro Andrade, der bereits mit Ferrer und Piazzolla zusammengearbeitet hatte. 

                                                                                                                                     „Global Kryner“ versuchte den Oberkrainersound aus der Musikantenstadlseligkeit in ein seriöses World-Music-Genre zu übersetzen, ohne dabei den Spielwitz zu verlieren. Sie stellten unter Beweis, dass jedes Lied, jede Melodie aus Pop, Jazz und Klassik verkrainert werden kann.  

Das polnische „Motion-Trio“ wurde nach seinem überwältigenden Vorjahrserfolg erneut eingeladen und gestaltete ein sehr stimmungsvolles Konzert in der Wiener Votiv-Kirche. Dieses "Trio infernal der polnischen Akkordeonavantgarde" weicht - obgleich akademisch ausgebildet - wohltuend von der Steifheit der Konservatoriums-szene ab. Die Herren Wojtarowicz, Baranek und Galazyn stehen in gleichem Nahverhältnis zu Jazz, kontemporärer wie "klassischer" Klassik, Folk und Heavy Metal. Und kommen daher auch gar nicht auf die Idee, das eine gegen das andere Genre auszuspielen. Viel lieber spielen sie diese zusammen, so dass die Stilgrenzen nicht mehr weiter auffallen. Diese unverkennbare Trademark "Motion Trio" hat ihnen national und international auch schon viele Preise und Würdigungen eingebracht. Kein Wunder, dass Stars wie Bobby McFerrin so gerne mit den drei jungen Polen zusammenarbeiten. 

Gianni Coscia, führender Jazzakkordeonist Italiens, und sein kongenialer Dialogpartner an der Klarinette, Gianluigi Trovesi, schafften eine musikalische Welt voll sublimer Schönheit und Ironie. Automatisch mögen sich da Assoziationen auftun zu Federico Fellini und dessen bevorzugten Filmkomponisten Nino Rota. Natürlich huschten Zitate italienischer Walzer, Polkas, Mazurkas und Tarantelle durch ihre Musik, bei der landestypisch Fröhlichkeit und Melancholie eng beieinander lagen.    

Die zweite der drei Akkordeonfestival-Trilogien - also themengebundene Konzerte an verschiedenen Spielstätten über den ganzen Tag verteilt – war der jüdischen Musik gewidmet. Amanda Rotter hat mit ihrer Band „Mandys Mischpoche“ eine sehr multikulturelle Familie (hebr.: Mischpacha) um sich geschart: den Bulgaren Martin Lubenov (Tschuschenkapelle, Jiagalo, Marios & Julie, Ensemble Klesmer etc.), den Griechen Antonis Vounelakos (Lakis & Achwach, Medieval Noise Band etc.) und den Wiener kroatisch-ungarisch-burgenländischer Herkunft Hannes Laszakovits, welche das sefardische und jiddische Repertoire ihrer First Lady auch mit musikalischen Spezialitäten der eigenen Herkunftsländer aufstockten und gerne auch einen eleganten Swing an den Tag legten. So entstand eine schlüssige, von Amanda Rotter mit Charme und natürlicher Frische interpretierte Wiener-osteuropäisch-balkanisch-levantinische Stilmischung. „KOHELET 3“  spielten sich querfeldein durch Ost- und Südosteuropa. Das jiddische Repertoire stellte dabei sozusagen den Kitt dar zwischen den vielen ethnischen Stilen, die Kohelet 3 mit erfrischender Spontaneität und entwaffnender Direktheit rüberbrachte. Kein Wunder also, dass die LeserInnen des renommierten Musikmagazins "Concerto" Kohelet 3 zur besten heimischen Folk- & World-Band des Jahres 2002 gekürt haben. „Klezmerakustischen Dance-Brass" nennen „Schnaftl Uftschik“ ihren Zugang zu jüdischen und verwandten Traditionen.


Das Wiener Akkordeonfestival markierte den unaufhaltsamen Aufstieg von Dobrek Bistro: "Die musikalischen Provinzen klingen nach großer Welt, die große Welt vergisst ihre kulturellen Wurzeln nicht - bei Dobrek Bistro."(Richard Schuberth)         2000 feierten Dobrek Bistro im Aera vor ca. 180 Besuchern ihren Einstand. Das Jahr darauf spielten sie bereits im ausverkauften Vindobona. Letztes Jahr bescherte das Akkordeonfestival dem Quartett seinen bisherigen Höhepunkt, mit 900 ZuhörerInnen (!) im Museumsquartier, die sich von dessen furioser Stilmelange hinreißen ließen. Heuer hatte Dobrek Bistro seine Fans in das elegante Jugendstilambiente des Orpheum geladen und spielte dort an vier aufeinander folgenden Abenden gemeinsam mit ihrem Publikum ihre erste CD ein.    

Tamara Obrovac ist mit ihrem Transhistria Ensemble das Herz des kroatischen Jazz. Sie verfolgt in ihrer multikulturellen Heimat Istrien sowohl als Sängerin und Flötistin als auch als künstlerische Direktorin des Istriaethnojazz-Festivals die Vision eines panmediterran-balkanischen Ethnojazz. In der Band hat sie auch niemand Geringeren als Simone Zanchini - aufmerksame Festivalbesucher kennen ihn vom Vorjahr als Musiker von Luisa Cottifoglio -, einen der bedeutendsten Akkordeonisten der italienischen Szene. 

Das finnische Trio Fratres brachte im Rahmen des Akkordeonfestivals seine spektakuläre Show "In Rock!" auf die Bühne des Porgy & Bess und zeigte dabei, wie drei groovende Akkordeons mit alten Hits von Deep Purple, Uriah Heep, Van Halen, den Scorpions, Sting - oder aber dem Techno-Pop der deutschen Band Kraftwerk verfahren. 

Über Otto Lechner schreibt der Wiener Musikjournalist Richard Schuberth im "Augustin": "Kein Akkordeonist versteht es wie er, Melodielinien zu brechen, abzuhacken, in ihre Grundbestandteile zu zerlegen. Doch zweifelsohne zollt Lechner den Ländlern, Musette-Walzern und Cajun-Tunes mit seiner "Dekonstruktion" weitaus mehr Respekt, als die langweiligen Traditionspfleger es je getan haben. Selbst Lechner als Akkordeonisten zu bezeichnen trifft daneben. Vielmehr ist er eine Ganzkörperkapelle, die Art, wie er gegen die Flanken seines Instruments trommelt, die Bässe bedient und sich staccatohaft das tuberkulöse Röcheln des Balges zunutze macht, weist ihn als veritablen Perkussionisten aus." Lechners unorthodoxes Akkordeonverständnis machte das Festival ja erst möglich und steht diesem quasi als Konzept voran. Im Rahmen der abschließenden "Otto-Lechner-Trilogie" musizierte er mit seinen Freunden Herbert Reisinger (Österreich), Arnaud Méthivier (Frankreich) sowie der australischen Cellistin Melissa Coleman und dem Wiener     E-Gitarren-Orignal Karl "Charly" Ritter bei der Schlusssession im Wiener Metropol.  

2004 wird das Internationale Wiener Akkordeonfestival bereits seinen fünfjährigen Bestand feiern. Außerdem wird es sich nächstes Jahr zum 175. Mal jähren, dass ein gewisser Cyrill Demian sein Akkordeonpatent in Wien angemeldet hat. Grund genug zu feiern! Auf das Programm des Festivals darf man jetzt schon gespannt sein...

www.akkordeonfestival.at

  Letztes Update der angezeigten Seite: 30.April 2009, 22:06 

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