Friedrich Lips

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 Samstag, 24.Juni 2017 10:41 

5. INTERNATIONALES WIENER AKKORDEONFESTIVAL 2004

Das Programm des 5. INTERNATIONALEN AKKORDEONFESTIVALS WIEN 2004 vom 21.Februar bis 21.März wurde bei einer Pressekonferenz im Aktionsradius Augarten am 26. Jänner der Öffentlichkeit vorgestellt. Friedl Preisl, der künstlerischer Leiter und "Erfinder" des Akkordeonfestivals wies darauf hin, dass beim diesjährigen AKKORDEONFESTIVAL 70 Künstler aus 23 Ländern mitwirken und 18 Konzerte an 18 unterschiedlichen Spielstätten aufführen würden. Während der gesamten Festivalzeit öffnete ein Festival-Club im MILES SMILES seine Türen für: KünstlerInnen, MultiplikatorInnen, Musikbegeisterte, Festival-BesucherInnen, MitarbeiterInnen des Festivals. Dieser Fixpunkt konnte vor und nach Konzerten, aber auch an Wochentagen zwischen den Konzerten frequentiert werden. Der Club wurde einerseits für spontane Sessions genützt und sollte andererseits den Kommunikationsfaden, der sich durch das ganze Festival zog, weiterspannen. Im TECHNISCHEN MUSEUM WIEN wurde wieder ein abwechslungsreiches Akkordeon-Workshop angeboten.

Die Eröffnungsgala fand wieder im Jugendstiltheater statt und wurde diesmal vom ACCORDION TRIBE gestaltet, einem höchst ungewöhnlichen Musikprojekt, wobei die fünf MusikerInnen zeigten, wie man bestehende Musikformate sprengen und neue musikalische Landschaften erobern kann. Fünf Ziehharmonikas spielten da miteinander oder auch für sich, durchwegs originale Musik, stilistisch mit einem leichten Schwerpunkt auf Skandinavien, stammen doch LARS HOLMER aus Schweden und MARIA KALANIEMI aus Finnland. GUY KLUCEVSEK hat die Partie zusammengestellt, BRATKO BIBIC steuert ein Quentchen slawische Stimmung bei, und allen Liedern ist nicht nur Virtuosität und Gefühl, sondern auch Augenzwinkern und Lächeln zueigen. Besonders hervorzuheben sind die Kompositionen des Österreichers OTTO LECHNER, weil sie sich ohne den leisesten Folklorismus klanglich besonders auf das Akkordeon beziehen.

Guy Klucevsek spielte mit Alan Bern, einem seiner bevorzugten Partner, noch einen weiteren Abend. Alan Bern darf als einer der bedeutendsten Klezmerakkordeonisten und -pianisten unserer Zeit bezeichnet werden. Ob als Leader seiner New Yorker Band Brave Old World oder in unzähligen anderen Projekten, Bern sprengte stets den Rahmen rein jüdischer Stile durch intensive Erforschung auch anderer osteuropäischer Musik sowie durch seine Bildung in Klassik, Jazz und Minimal Music. Die beiden haben auf ihrer CD "Accordance" bereits ein Repertoire gemeinsamer Kompositionen (von Klezmer über Balkan bis Tango) aufgebaut und es mit ihren Interpretationen von Domenico Scarlatti, Erik Satie und Mauricio Kagel angereichert.

Wie ein Komet schlugen Beefólk mit ihrem CD-Erstling "Orka" vor zwei Jahren dort ein, wo die heimischen World-, Jazz- und Folkszenen gerade erst zaghaft begonnen hatten, die Grenzen untereinander zu öffnen. Mitreißend virtuoser und unterhaltsamer Frontaljazz, auf zunächst balkanischer, irischer und skandinavischer Musik sowie Tango Nuevo gründend.

Kein akkordeonrelevantes Genre, kein ethnischer Stil, den die Berliner Musik-Globetrotterin und -Traumtänzerin Cathrin Pfeifer noch nicht erforscht hätte. In unzähligen Bands hat sie gespielt: Rock, Jazz, Avantgarde, Klassik, Tango, Bossa, Musette, Irish, Balkan, Klezmer ... Vor drei Jahren stellte sie sich im Kosmos Theater dem begeisterten Akkordeonfestival-Publikum mit ihrem Quartett vor und präsentierte unorthodoxe Musik mit stark lateinamerikanischem Einschlag. Diesmal brachte sie ebendort ihr Solopogramm "lonely tramp" auf die Bühne bringen - Kompositionen von elementarer Schönheit.

Luis Di Matteo ist eine der wichtigsten Vaterfiguren des Tango Nuevo. Mit Astor Piazzolla verband den 1934 in Montevideo, Uruguay, geborenen Komponisten und Bandoneonvirtuosen eine jahrzehntelange Freundschaft. Mehr noch als dieser wagte er sich mit seinen unzähligen Orchesterwerken in die E-Musik vor, griff dabei aber in unorthodoxer Manier immer wieder auf die ethnischen Wurzeln des Tango zurück - wie den Milonga oder aber den Candombe der uruguayanischen Afroamerikaner, die südlichste "schwarze" Musikform Lateinamerikas.

Ein besonderes Engagement gelang dem Akkordeonfestival mit Yuri Lemeshev, lange Zeit Akkordeonist von Conan O'Briens Late Night Show und mit seiner Gypsy-Punk-Cabaret-Band Gogol Bordello einer der heißesten Acts der New Yorker Downtown, und Matt Darriau, Mitglied der Klezmatics und des Paradox Trios sowie Leader der Harlem-Revival-Band Ballin' the Jack.

Walther Soyka ist wichtigster Spieler und Wiederentdecker der Alt-Wiener Schrammelmusik. Als Akkordeonist von Roland Neuwirths Extremschrammeln mischte er seit 1983 mit. Fürs Akkordeonfestival trat Walther Soyka alleine mit seiner Harmonika an, um zu den Ursprüngen des guten alten Wiener Sounds zurückzukehren.

Eigentlich kennt man Stefan Heckel als einen der wichtigsten Pianisten der heimischen Jazzszene, ob mit seiner eigenen Stefan Heckel Group, als feinfühligen Interpreten klassischer Musik, als Organist oder als neugierigen Spieler von "Balkan-Jazz" in der Band von Nenad Vasilic . Wenige wissen, dass sein erstes Instrument die "Steirische" war und seine erste musikalische Liebe der alpinen Volksmusik galt. Und dieser erwise Stefan Heckel mit "Blaubauer" seine Reverenz.

Bratsch aus Paris, das sind die Jongleure der World-Music. So vielen unterschiedlichen Stilen - von Paris bis Armenien - geben sie Obdach, dass diese so klingen, als hätten sie immer zusammengehört, als wären sie immer "Bratsch-Musik" gewesen: Chanson, Gypsy-Swing à la Django Reinhardt, italienische Ballata, rumänische und jiddische Doinas, bulgarische Horos, griechischer Rebetiko, mediterrane Kunstmusik à la Nino Rota, armenische Liebeslieder - die länderübregreifende Musik der Roma bildet da eine Art stilistische Klammer, die dieses mediterran-osteuropäisch-vorderorientalische Kontinuum so glaubwürdig macht. Vor 26 Jahren gründete der Armenier Dan Gharibian mit Bruno Girard die Band, der es wie keiner anderen gelang, die unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder unter einen Hut zu bringen. Man einigte sich auf das Verbindende der Genres - Melancholie, Soul, Improvisationslust und Feurigkeit - und schuf somit den Bratsch-Sound.

Eine besondere Freude fürs diesjährige Akkordeonfestival war es, zwei Geburtstage auf einmal zu feiern: für einen der besten Entertainer der österreichischen World-Music-Szene, Slavko Ninic, und seine Wiener Tschuschenkapelle. Vor 15 Jahren begann der gelernte Soziologe Ninic, der es geschickt verstand, den rauen Charme eines slawonischen Traktorhändlers zu kultivieren, ein österreichisches Publikum mit der Herkunftsmusik der hunderttausenden GastarbeiterInnen zu konfrontieren, die da den heimischen Reichtum miterarbeiteten. So sang er sich mit sonorem Tenor durch Pannonien, die Länder des ehemaligen Jugoslawien, den südlichen Balkan und die Türkei, mitreißende an Herz und Seele gehende Lieder, tat dies aber mit so viel Wärme, dass man sich anstatt der Pulsadern dann doch noch eine Flasche Cljivovica öffnen musste. Eine seltene Kunst. In der jüngsten Besetzung klingt die "Kapelle" südlicher denn je. Und unverschämt jazzig und virtuos - vor allem dank des Klarinettisten Hidan Mamudov und des Shooting Stars des Balkan-Akkordeons, Martin Lubenov.

Zwei Musiker, die aufgrund ihres Könnens und ihrer kulturellen Empathie von allen relevanten Klezmer-Szenen vorbehaltlos anerkannt werden, sind Sanne Möricke und Christian Dawid. Haben doch beide bereits mit Frank London's Klezmer Brass Allstars gegigt, Sanne Möricke darüber hinaus mit paneuropäischen Ensembles wie Sukke, Northern Sinfonia und den Transsylvanians, Christian Dawid mit Alan Berns Brave Old World. Außerdem war er langjähriger Klarinettist bei Joshua Horowitz' Spitzenensemble Budowitz. Zusammen kreierten Dawid & Möricke jiddische Instrumentalmusik auf kammermusikalischem Niveau, improvisativ, intensiv und sehr poetisch.

Als beim Grazer Jazzunit im Frühling vergangenen Jahres Martin Lubenov mit dem wohl größten Balkanakkordeonisten aller Zeiten, Petar Ralchev, ein 15-minütiges Akkordeonduell hinlegte, drehte das Publikum beinahe durch vor Ekstase. Keine Frage, das durfte dem Akkordeonfestival nicht entgehen. Martin Lubenov ist nach Otto Lechner und Krzysztof Dobrek eine weitere Bereicherung der heimischen Akkordeonwelt: Sein in bulgarischer Gypsy-Musik sozialisiertes, mit Swing, Musette und Latin kokettierendes Spiel gehört nicht nur zum virtuosesten, sondern auch eigenwilligsten, was zeitgenössische Akkordeonmusik zu bieten hat.

Mozart verrockt und verjazzt? Das klingt nach einer Mischung aus Rondo Veneziano und Falco. Und in der Tat, einige Mitglieder der Mozartbandits (alias Mozartband) waren wirklich einmal in der Falco-Band, andere kommen aus völlig anderen Richtungen: Oper, Ballett, Jazz - nichtsdestoweniger gelang es der Mozartband unter Leitung von Ex-Alpinkatzen-Akkordeonist Wolfgang Staribacher mit seinem Crossover aus Klassik, Rock, Jazz und Musical, Mozart nicht zu trivialisieren, sondern den guten alten Spirit der Wiener Klassik in ein verführerisches zeitgenössisches Gewand zu hüllen.

Riccardo Tesi darf ruhig als das Epizentrum der italienischen Folk- und World-Music bezeichnet werden. Seit über 20 Jahren hält er seine Stellung als einer der einfallsreichsten Interpreten auf dem diatonischen Knopfakkordeon.

Als Ethnomusikologe erforschte er den Liscio, den Walzer seiner Heimat Toskana, süditalienische Tarantelle und Tammurriate, die Traditionen Sardiniens, Südfrankreichs, Großbritanniens, des Balkans, Afrikas, Madagaskars und Indiens, aber auch Jazz und die Musik des Fellini-Komponisten Nino Rota.

Krzysztof Dobrek goes Brazil. Dass der umtriebige Leader von Dobrek Bistro nicht weit gehen braucht, verdankt er Alegre Corrêa. Wie gut die beiden miteinander können, haben sie schon bei ihren gemeinsamen Sessions mit Alioscha Biz, Roland Neuwirth und Marwan Abado bewiesen. Es war ja nur eine Frage der Zeit, dass sich der eingefleischte Bossa-Fan Dobrek und der experimentierfreudige Zauberer Corrêa, diesjähriger Gewinner des begehrten Hans-Koller-Jazzpreises und seit Sommer stolzer Träger des Kulturehrenzeichens seiner Heimatregion Rio Grande do Sul, zu einem gemeinsamen Projekt zusammenfinden.

Gemeinsam haben die Herren Mietla, Chololowicz und Biazik, dass sie die Karol Szymanowski Musikakademie in Katowice absolvierten und allesamt irgendeinmal die Meisterklassen von Professor Joachim Pichura durchliefen (mit dem sie auch beim "Schlesischen Akkordeonquintett) spielen. Piotr Chololowicz ist dem Wiener Publikum vielleicht auch durch "Kyrillikata" bekannt, ein Akkordeonduo, das er mit Jacek Grekow bildete und sich ausschließlich bulgarischer Musik widmete. Ein starkes Faible für südosteuropäische Rhythmik und Melodik kommt auch bei Ars Harmonika zum Tragen, mit dem sie die Enge des altherkömmlichen Konservatoriumsprogramms sprengen. Ethnomusik findet in ihrem Repertoire also ebenso ihr Auslangen wie Bach und Piazzolla. Der besondere Reiz von Ars Harmonika rührt nicht nur von ihren ungewöhnlichen Arrangements her, sondern auch vom Zusammenklang dreier verschiedener Akkordeontypen.

Der aus dem marokkanischen Oujda stammende Sänger Kadero Ray hatte sich in Nordafrika und Frankreich schon einige Popularität ersungen, als er 1997 in Wien seine Zelte aufschlug. Wohl nie hätte er sich damals träumen lassen, dass er einmal die "Maghrebisierung" der österreichischen World-Music-Szene vorantreiben würde. Einen nicht unwesentlichen Teil daran hatte Otto Lechner und seine "Gang". War der große Boom des Raï mit seinen Heroen Cheb Khaled, Cheb Mami oder Hasni in Frankreich schon vor zehn Jahren ins Stocken geraten, so stürmten seit Frühjahr 2001, als die arabische Gang von Kadero mit der Ottos fusionierte, die Wiener und WienerInnen ihre Konzerte - um sich ihr unerwartetes Raï-Fieber abzutanzen!

Renato Borghetti erwies den Milongas und Chacareras und Chamamés seiner Heimat Brasilien die Ehre, versetzte sie selbstbewusst mit Tango, Samba und Jazz - und präsentierte diesen modernen Stilmix mit lebensbejahendem Spielwitz und Selbstironie, vor allem, wenn er sich mit langem Haar, in hohe Stiefeln gezwängte weite Hosen und tief ins Gesicht gezogenen Schlapphut als cooler Gaucho stilisiert, der aber stets den Schalk im Nacken hat.

Die zwei Finalisten des Akkordeonfestivals, das Renato Borghetti Quartett und das Vienna Raï Orchester mit Kadero Ray und Otto Lechner, bestritten einen gemeinsamen Abend am Kulturschiff A38 in Budapest. Eine Premiere der besonderen Art in künstlerischer Hinsicht - und spannendes Pilotprojekt für künftige Kooperationen des Festivals mit den Nachbarländern!

www.akkordeonfestival.at

  Letztes Update der angezeigten Seite: 30.April 2009, 22:07 

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