Friedrich Lips

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 Montag, 20.November 2017 08:47 
Alexander Schurbin

Alexander Schurbin (*1945)

(zu seinem 60. Geburtstag)

Alexander Schurbin begann als Student am Gnessin-Institut in der Klasse für Komposition von Professor N.I. Peiko für Bajan zu schreiben. Am Institut entwickelte sich eine schöpferische Allianz mit dem Bajanisten G. Tschernitschka, der auch seine ersten Werke zur Uraufführung brachte. Praktisch wurden seine Werke aber nur bei Prüfungen gespielt. Ich war damals Student der Anfängerkurse und von zeitgenössicher Musik noch nicht sehr begeistert, weshalb sich mein Interesse für die Musik von Alexander Handelsmann (so sein damaliger Familienname nach der Linie des Vaters)  in Grenzen hielt. Nach Abschluss des Instituts wechselte Alexander an das Leningrader Rimskij-Korsakow-Konservatorium in die Klasse von Y.G. Kon zur Aspirantur. Nach einigen Jahren trafen wir uns zufällig am Gnessin-Institut wieder, und er fragte mich plötzlich völlig unerwartet:

            - Und warum spielst Du eigentlich meine Musik nicht?

Er wusste schon von meiner Zusammenarbeit mit Wladislaw Solotarjow, durch die das Repertoire für Bajan eine neue Qualität erreichte.

- Verstehe bitte, alle Deine Stücke sind für Standardbass geschrieben, aber heutzutage sollte man schon für das Melodiebass-Instrument schreiben.   

- Gut, ich werde speziell für Dich sofort ein neues Werk schreiben.   

Nach einer gewissen Zeit erhalte ich von ihm ein Manuskript: Alexander Schurbin (er nahm zu dieser Zeit den Familiennamen der Mutter an) - Fantasie und Fuge.       Es war ein zu dieser Zeit völlig avantgardistisches Werk, wo erstmals in der Bajanpraxis Elemente der Aleatorik zur Anwendung kamen - Improvisation durch den Interpreten selbst. Während ich "Fantasie und Fuge" studierte und sie in Konzerten zu spielen begann, entstand in mir der Wunsch, seine früheren Werke zu "reanimieren", die in ihrer ursprünglichen Fassung im Kreis der Bajanisten nicht sehr populär waren. Ich machte eine neue Fassung für den modernen Melodiebass-Bajan der Sonate Nr 1, der Suite, des Konzert-Dyptichs und der Toccata. "Dyptich" und "Toccata" wurden Teil meines Repertoires.

            Mit der Zeit wurde der Name des Komponisten A. Schurbin durch seine Estradenlieder in der Interpretation populärer Estradensänger, wie insbesondere Irina Ponarowskaja, ziemlich bekannt. Und nach der Aufführung seiner Rock-Oper "Orpheus und Eurydike" in Leningrad (dem heutigen St. Petersburg) wurde er praktisch "über Nacht" berühmt, weil es die erste Rock-Oper in der damaligen UdSSR war. Einmal kamen wir bei einem Treffen zur Besprechung unserer künstlerischen Pläne auf die Idee, er sollte eine Zweite Sonate schreiben. Ich schlug ihm vor, ein Kaleidoskop verschiedener Stile zu schaffen: ein Fragment im Stil Mozarts mit Elementen des Jazz, Tango u.a. Bald schrieb er die Sonate Nr 2 mit dem Untertitel: "Nostalgie oder Sonata quasi una..." Auf meine Frage, warum er diese Bezeichnung wählte, antwortete er:

-  Alle kennen den Untertitel der Mondscheinsonate L.v. Beethovens "Sonata quasi una fantasia", aber bei "Sonata quasi una..." mag jeder denken,  was er will.     Im Prinzip geht es um die Nostalgie nach guten alten und allen bekannten Rhythmen.  

            -  Und wie ist zu erklären, warum es sich um eine Sonate handelt? Hier gibt es weder Exposition, noch Durchführung oder Reprise im gewohnten Verständnis       der üblichen Sonatenform.

            -  Aber "Sonata" bedeutet in der italienischen Sprache alles, was klingt! - erklärte Schurbin unerwartet

Die folgende Sonate Nr 3 wurde ebenfalls auf meine Bitte hin geschrieben:

            -  Sascha, ich habe folgende Idee! Ich gehe im Park spazieren, und es begegnet mir eine Drehorgel, irgendwo erklingt ein provinzielles Blasorchester, das                 ziemlich falsch spielt, darauf kommt mir eine Gruppe von Zigeunern entgegen...

Schurbin schreibt schnell. Die Dritte Sonate mit dem Untertitel "Spaziergang im Njeskutschnij sad"1) war bald fertig

            Noch ein Stück bat ich A. Schurbin zu schreiben, und zwar für ein Ensemble von Bajanisten, die alle unisono spielen. Unser Bajanorchester des Gnessin-Instituts sollte im Austausch mit dem Orchester der Universität Kansas City in die USA reisen. Es schien mir sehr wirkungsvoll, wenn die in einer Reihe sitzenden Bajanisten gleichzeitig Balgtremolo und Ricochet spielten. Und tatsächlich hatte die "Konzertburleske" in den USA und auch bei uns großen Erfolg. Und in der Folge verwendete der Komponist die Musik der "Burleske" auch im Kinofilm "Der Wald". Im allgemeinen ist zu sagen, dass Alexander Schurbin außer Kammer- und Estradenmusik auch viel Theater- und Kinomusik geschrieben hat. Er ist Zeit seines Lebens ein sehr aktiver und öffentlicher Mensch, der neuen Ideen leicht zugänglich ist, und der sich gleichzeitig das glückliche Empfinden kindlicher Natürlichkeit und der Freude am Dasein bewahrt hat. Ich bin stolz darauf, dass drei seiner Werke mir gewidmet sind: Fantasie und Fuge, die Sonaten Nr 2 und 3. Sein ganzes Bajanwerk ist in meiner Redaktion herausgegeben, und beide Sonaten und das Konzert-Dyptich sind auf CDs erschienen.

            Ich bin überzeugt, dass Alexander Schurbin's Konzertstücke für Bajan einen wichtigen Beitrag für die Schatzkammer des zeitgenössischen Bajanrepertoires darstellen.   

1)Der "Njeskutschnij sad" ist ein Teil des Gorkij-Kultur- und Erholungsparks, ein beliebter Platz für Moskauer Volksfeste im 19. und 20. Jahrhundert.

                                                                                                                          
  Letztes Update der angezeigten Seite: 30.April 2009, 22:07 

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