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THE LAST SUPPER
eclipse
Das Besondere an der vorliegenden CD liegt
darin, dass ihr Programm fast ausschließlich aus Werken für Bajan besteht, die
von russischen Komponisten des 21. Jahrhunderts geschaffen wurden (außer der aus
dem Jahre 1977 stammenden Sonate Nr.1 von G.Bantschikow)
Der
Petersburger Komponist Gennadij Bantschikow gehört zu den bedeutendsten
Komponisten Russlands. Er ist Autor von Opern, Balletten, Sinfonien,
Chorkantaten, vieler Kammermusikwerke für verschiedene Instrumente, darunter
vier Sonaten für Bajan. Die Sonate Nr.1 wurde 1977 geschrieben und ist O.Scharow
gewidmet. Im 1.Satz werden zwei bildliche Sphären einander gegenübergestellt:
eine rhythmisch federnde, etwas geheimnisvolle Ostinato-Linie in der linken
Hand begleitet, so scheint es, die friedlich-idyllische Melodie in der rechten.
Jedoch bald bekommen beide Linien einen aufgeregten Charakter, unterbrochen von
Clustern. Auf dieser musikalischen Faktur, abgeändert und variiert, basiert der
ganze Satz.
Der zweite
Satz stellt ein Fugato dar. Das Thema entwickelt sich aus kleinen Terzen und
schafft eine traurige, melancholische Stimmung, die allmählich den klanglichen
Kosmos erobert.
Das Thema im dritten Satz erinnert entfernt an
eine Hirtenweise, obwohl ihr Charakter ziemlich aggressiv ist. Große Bedeutung
erlangt die zentrale Episode im Finale: der böse, giftige Marsch, wo die ganze
Sonate auf ihre Kulmination zusteuert. Eine Kette von Clustern unterbricht die
unheilvolle Prozession und umrahmt, so wie die Cluster des ersten Satzes,
gleichsam die ganze Sonate.
Einer der größten Komponisten Russlands im 20.
Jahrhundert ist Alexander Cholminow: der Autor zahlreicher Opern, Sinfonien,
Chor- und Kammermusikwerken schrieb buchstäblich aus wenigen Noten die sehr
einfache, aber tiefe und herzzerreißend schöne Melodie zum Film „Predsedatjel“
(„Der Vorsitzende“). Im Film erklingt sie übrigens auf dem Bajan. In der
„Herbstmelodie“ verwendete Cholminow diese Melodie, und es gelang ihm meiner
Meinung nach perfekt, einfach ein Meisterwerk zu schaffen. Die tief intime,
gefühlvolle Fantasie ist von der Form her sehr gut aufgebaut und hat, was
wesentlich ist, eine in sich sehr helle, gehaltvolle Intonation. Ein Werk von
solch edler Schönheit konnte nur ein weiser Meister mit ergrautem Haar schaffen!
Der hervorragende russische Komponist Roman
Ledenjow, Professor am Moskauer Konservatorium, hat sich einen Zyklus von Werken
für Bajan unter dem Titel „… auf dem Hintergrund der russischen Landschaft“
vorgenommen. Das Stück „Abendliches Liebeslied“ ist das zweite dieses Zyklus.
Nach seinen eigenen Worten wollte der Autor in diesem Werk alles zeigen, was am
Abend im Dorf geschieht, wenn sich die Jugend nach einem Arbeitstag am Dorfrand
versammelt, um sich zu erholen und zu vergnügen. Lyrische Melodien wechseln hier
mit manchmal sehr ausgelassenen Volkstänzen.
Die Sonate von
Jefrem Podgaits, einem der bedeutendsten russischen Komponisten der mittleren
Generation, wurde auf meine Anregung geschrieben und setzte die obligate
klassische Dreiteiligkeit voraus. Es ist bekannt, dass Sonaten heutzutage oft
nur aus einem Satz bestehen. Wie stets bei Podgaits, ist der 1. Satz nach den
besten Traditionen der Sonatenform aufgebaut und reich an seltenen Rhythmen und
einer virtuos angelegten Faktur. Die grundlegende Idee des 2. Satzes basiert auf
der Nutzung des bisbigliando auf dem Bajan. Diese Spielmethode wird
hauptsächlich bei Blasinstrumenten verwendet und erfordert die Wiederholung ein
und desselben Tons mit verschiedenen Fingersätzen. Auf dem Bajan verwendete der
Autor die Spielmethode bisbigliando zur mehrmaligen Wiederholung ein und
desselben Tons durch den Wechsel verschiedener Timbres (Register). Im 3. Satz
verwendete der Komponist hauptsächlich den fünfteiligen ricochet, der neben
anderen Aspekten der Interpretationstechnik das Finale zu einem herausragend
konzertanten Abschluss des ganzen Zyklus macht.
Der hervorragende
Komponist Michail Bronner, Autor großer Sinfonien, von Chor- und
Kammermusikwerken, und jetzt auch schon vieler Werke für Bajan, hat auf meine
Bitte ein Stück mit dem Titel „Eclipse“ (Sonnenfinsternis) geschrieben. Er war
sofort begeistert vom Titel: „Sie verstehen, Friedrich, für mich ist der Titel
eines Werkes bereits die halbe Arbeit. Übrigens, warum gerade „Eclipse“? Ich
habe ihm darauf gesagt, dass in diesem Wort mein Familienname vorkommt. Bei
diesem Werk stehen die Seele und ihre Verwirrungen im Mittelpunkt. Gleichzeitig
zeichnet das bei der Aufnahme verwendete Phonogramm der lebendigen Natur das
Bild einer realen Naturerscheinung, selbst eine Katastrophe ist möglich. Aber
letztendlich beruhigt sich wiederum alles und durch seine ergreifende Entdeckung
(das Lächeln des Kindes!) sagt uns der Autor am Schluss: „Dessen ungeachtet geht
das Leben weiter…“
Friedrich Lips
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G.Bantschikow
(1943)
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Sonate Nr. 1 für
Bajan in 3 Sätzen (1977) |
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1.
Allegretto |
4:21 |
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2.
Andante |
5:55 |
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3.Vivo |
4:45 |
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A.Cholminow (1925) |
Herbstmelodie
(2005) |
9:43 |
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R.Ledenjow (1930)
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Abendliches
Liebeslied (2003) |
9:59 |
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E.Podgaits (1949) |
Sonate für Bajan in
3 Sätzen (2004) |
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1. Allegro vivo |
4:51 |
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2. Andantino |
4:59 |
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3. Allegro ben
ritmico |
3:21 |
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M.Bronner (1952) |
Eclipse (2008) für
Bajan und Elektronik |
12:05 |
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Gesamtspielzeit |
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60:35 |
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